Zehntscheuer Gessenried, ab 29. März 2009
"Dorf
unterm Hakenkreuz"
Ausstellungsreihe der
Arbeitsgemeinschaft der regionalen Freilichtmuseen in
Baden-Württemberg.
Anlässlich des Ausbruchs
des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren zeigt die
Arbeitsgemeinschaft der regionalen Freilichtmuseen
Baden-Württembergs im Jahr 2009 die Ausstellungsreihe „Dorf
unterm Hakenkreuz“ über die Zeit der
nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkriegs
im ländlichen Südwesten.
Über die großen Ereignisse
dieses Abschnitts deutscher Geschichte ist viel geschrieben
und gesprochen worden, und doch bleibt der Blick auf das
Leben der Menschen vor Ort weiterhin eine wichtige Aufgabe.
Wie funktionierte die Diktatur auf dem Land? Wie erlebten
die Menschen den dörflichen Alltag von 1933 bis 1945? Wer
profitierte, wer wurde zum Opfer?
Diesen
und anderen Fragen geht die gemeinschaftliche
Ausstellungsreihe „Dorf unterm Hakenkreuz“ nach. Sieben
Ausstellungen zu sieben wichtigen Themen – dabei zeichnen
die sieben am Projekt beteiligten Freilichtmuseen für ihre
jeweilige Region gleichzeitig ein klares Bild der
Lebenssituation im NS-Staat.
Das
inhaltliche Spektrum reicht vom Reichsnährstand und der
nationalsozialistischen Propaganda über Schule und
Erziehung, die Rolle der Frauen bis zur Zwangsarbeit und
Kriegsfolgen- und erfahrungen. Im Ergebnis entstehen sieben
unterschiedliche und doch aufeinander bezogene und sich
ergänzende Ausstellungen. Politik, Sozialstruktur, Kultur
und Wirtschaft werden bedacht, ohne dass der Anspruch
erhoben werden soll, ein vollständiges Gesamtbild zu zeigen
Ausstellung im Bauernhaus-Museum Wolfegg:
"Krieg Alltag Zwangsarbeit"
Die
Einzelausstellung „Krieg Alltag Zwangsarbeit“ des
Bauernhaus-Museums innerhalb des Gemeinschaftsprojekts
zeichnet anhand von Exponaten und Dokumenten das
Alltagsleben der ländlichen Bevölkerung Oberschwabens und
des westlichen Allgäus in den Jahren der
nationalsozialistischen Diktatur und des zweiten Weltkrieges
nach. Als Schwerpunkt dokumentiert sie dabei die
Verschleppung, den „Arbeitseinsatz“ und den Alltag von
Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft.
Die
Ausstellung wird im Obergeschoß des Eingangsgebäudes
Zehntscheuer Gessenried gezeigt. In den Häusern auf dem
Museumsgelände finden die Besucher zusätzliche
Informationseinheiten über einzelne Aspekte der Haus- und
Bewohnergeschichte im Zeitraum 1933 bis 1945.

Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten der
Sowjetunion,
die in der Landwirtschaft der Region Ravensburg eingesetzt
wurden.
Bildquelle: Gemeindearchiv Schlier
Museumspädagogische Angebote für Schulklassen und ein
Begleitprogramm mit Vorträgen, Lesungen und Filmvorführungen
runden das Projekt ab.
Ausstellungskatalog
Zur
Ausstellungsreihe „Dorf unterm Hakenkreuz“ wird eine
Begleitpublikation erscheinen, welche die Ausstellungsthemen
der beteiligten Museen in einzelnen Beiträgen aufgreift. Das
breite Themenspektrum der Publikation wird ergänzt durch
Beiträge beispielsweise über das Schicksal und Verfolgung
der Juden im ländlichen Raum nach 1933 oder die
nationalsozialistische Agrarpolitik.
Die
Begleitpublikation ist nach der Ausstellungseröffnung im
Museumsladen erhältlich.
Das Projekt "Dorf
unterm Hakenkreuz"
wird gefördert durch die
Landesstiftung
Baden-Württemberg und die
Landesstelle für
Museumsbetreuung
Baden-Württemberg.
ab März 2012
"Die Schwabenkinder"
Grenzüberschreitendes Projekt des
Bauernhaus-Museums Wolfegg

Das Bauernhaus-Museum Wolfegg begibt
sich zusammen mit Museen in Deutschland,
Österreich, der Schweiz und Südtirol auf die
Spuren der ehemaligen Hütekinder
und
plant in einem grenzüberschreitenden
Interreg IV-Projekt Ausstellungen und einen
Wanderweg zum Thema Schwabenkinder.
Das Projekt „Der Weg der
Schwabenkinder“ – die Eröffnung ist für das Jahr 2011
geplant – verbindet Museen in vier Ländern miteinander: die
Herkunftsgebiete in den Alpen mit dem ehemaligen
Arbeitsplatz der Kinder in Oberschwaben. Partner des
Projektes sind die Museen und Stadtarchive in Ravensburg,
Friedrichshafen, Bregenz, Dornbirn, Schwarzenberg, Lech, St.
Anton, Wald, Schruns, Landeck, Galtür, Schluderns, Vals,
Ilanz, Savognin und Chur. Dort erzählen kleine und größere
Dauerausstellungen verschiedene Aspekte der
Schwabenkindergeschichte: Weshalb beispielsweise waren es
gerade die Kinder, die aus der Heimat fort mussten oder wie
kamen sie überhaupt im 19. Jahrhundert in ein mehrere
Tagesmärsche entferntes Land? Als verbindendes Element
zwischen den Ausstellungsstationen ist ein Themenwanderweg
ausgeschildert, der zum Nachwandern einlädt und die
ehemaligen, meist beschwerlichen Routen der Schwabenkinder
über die Alpen nach Oberschwaben nachempfinden lässt. Ein
dazu geplanter Wanderführer nimmt die Wanderer mit auf die
Spuren der Kinder und versorgt sie mit nützlichen
Informationen, Kartenmaterial und weiteren
Hintergrundgeschichten zum Leben der Schwabenkinder.
Am
Zielpunkt des Weges erfährt der Besucher im
Bauernhaus-Museum Wolfegg in drei verschiedenen Gebäuden
mittels neuester Ausstellungstechnik Ausführliches über die
Hintergründe der Schwabengängerei, den beschwerlichen Weg
der Kinder und deren Leben auf den oberschwäbischen Höfen.
Manche der Kinder bekommen ein Gesicht, wie beispielsweise
Isabella Lechleitner; sie kam 1872 als 13jährige vom
Paznauntal nach Oberschwaben, heiratete und blieb Zeit ihres
Lebens in Staig, oder Franz Kohler, ein ehemaliges Hütekind
aus Dalaas, der „keinem Hund so eine bittere Jugendzeit
wünschen“ wollte; Hans Antoni Jörger aus Vals hingegen trieb
seinerzeit eher die Abenteuerlust nach Oberschwaben. Die
Geschichten und ganz unterschiedlichen Schicksale einzelner
Kinder sind ebenso hautnah erlebbar wie die Arbeit der
Schwabenkinder im 19. Jahrhundert, die in
museumspädagogischen Projekten in einem authentischen Hof in
Wolfegg gezeigt wird. Oder wussten Sie bereits, wie Regina
Lampert zu 90 Gänsen kam, August Begle eine böse Kuh gezähmt
hat oder Menegild Alge sich beim Viehhüten die nackten Füße
gewärmt hat?

Hütejunge in Schmalegg,
Schwabenkinder in Arnach, 1907,
Sammlung Zittrell, StA Ravensburg
Foto privat
Literatur:
- Regina Lampert, Die Schwabengängerin. Hrsg. von
Bernhard Tschofen, Zürich 1996.
- Loretta Seglias, Die Schwabengänger aus
Graubünden. Saisonale Kinderemigration nach
Oberschwaben, Chur 2004.
- Sabine Mücke/Dorothee Breucker, Schwabenkinder.
Vorarlberg, Tiroler und Graubündner Kinder als
Arbeitskräfte in Oberschwaben, Ravensburg 1998.
- Otto Uhlig, Die Schwabenkinder aus Tirol und
Vorarlberg, Innsbruck 2003
- Elmar Bereuter, Die Schwabenkinder. Die Geschichte
des Kaspanaze, München 2004.
-
Othmar Franz Lang,
Hungerweg, Berlin/München 1993.
Als Schwabenkinder oder Hütekinder werden die Kinder armer
Bergbauernfamilien aus den Alpen bezeichnet, die
seit dem 17. Jahrhundert bis zu Beginn des 20.
Jahrhunderts alljährlich nach Oberschwaben zogen, um
auf den so genannten „Hütekindermärkten“ als
Saisonarbeiter an oberschwäbische Bauern vermittelt
zu werden.
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