
ab März 2012
Das Bauernhaus-Museum Wolfegg begibt
sich zusammen mit Museen in Deutschland,
Österreich, der Schweiz und Südtirol auf die
Spuren der ehemaligen Hütekinder
und
plant in einem grenzüberschreitenden
Interreg IV-Projekt Ausstellungen und einen
Wanderweg zum Thema Schwabenkinder.
Das Projekt „Der Weg der
Schwabenkinder“ – die Eröffnung ist für das Jahr 2012
geplant – verbindet Museen in vier Ländern miteinander: die
Herkunftsgebiete in den Alpen mit dem ehemaligen
Arbeitsplatz der Kinder in Oberschwaben. Partner des
Projektes sind die Museen und Stadtarchive in Ravensburg,
Friedrichshafen, Bregenz, Dornbirn, Schwarzenberg, Lech, St.
Anton, Wald, Schruns, Landeck, Galtür, Schluderns, Vals,
Ilanz, Savognin und Chur. Dort erzählen kleine und größere
Dauerausstellungen verschiedene Aspekte der
Schwabenkindergeschichte: Weshalb beispielsweise waren es
gerade die Kinder, die aus der Heimat fort mussten oder wie
kamen sie überhaupt im 19. Jahrhundert in ein mehrere
Tagesmärsche entferntes Land? Als verbindendes Element
zwischen den Ausstellungsstationen ist ein Themenwanderweg
ausgeschildert, der zum Nachwandern einlädt und die
ehemaligen, meist beschwerlichen Routen der Schwabenkinder
über die Alpen nach Oberschwaben nachempfinden lässt. Ein
dazu geplanter Wanderführer nimmt die Wanderer mit auf die
Spuren der Kinder und versorgt sie mit nützlichen
Informationen, Kartenmaterial und weiteren
Hintergrundgeschichten zum Leben der Schwabenkinder.
Am
Zielpunkt des Weges erfährt der Besucher im
Bauernhaus-Museum Wolfegg in drei verschiedenen Gebäuden
mittels neuester Ausstellungstechnik Ausführliches über die
Hintergründe der Schwabengängerei, den beschwerlichen Weg
der Kinder und deren Leben auf den oberschwäbischen Höfen.
Manche der Kinder bekommen ein Gesicht, wie beispielsweise
Isabella Lechleitner; sie kam 1872 als 13jährige vom
Paznauntal nach Oberschwaben, heiratete und blieb Zeit ihres
Lebens in Staig, oder Franz Kohler, ein ehemaliges Hütekind
aus Dalaas, der „keinem Hund so eine bittere Jugendzeit
wünschen“ wollte; Hans Antoni Jörger aus Vals hingegen trieb
seinerzeit eher die Abenteuerlust nach Oberschwaben. Die
Geschichten und ganz unterschiedlichen Schicksale einzelner
Kinder sind ebenso hautnah erlebbar wie die Arbeit der
Schwabenkinder im 19. Jahrhundert, die in
museumspädagogischen Projekten in einem authentischen Hof in
Wolfegg gezeigt wird. Oder wussten Sie bereits, wie Regina
Lampert zu 90 Gänsen kam, August Begle eine böse Kuh gezähmt
hat oder Menegild Alge sich beim Viehhüten die nackten Füße
gewärmt hat?

Hütejunge in Schmalegg,
Schwabenkinder in Arnach, 1907,
Sammlung Zittrell, StA Ravensburg
Foto privat
Literatur:
- Regina Lampert, Die Schwabengängerin. Hrsg. von
Bernhard Tschofen, Zürich 1996.
- Loretta Seglias, Die Schwabengänger aus
Graubünden. Saisonale Kinderemigration nach
Oberschwaben, Chur 2004.
- Sabine Mücke/Dorothee Breucker, Schwabenkinder.
Vorarlberg, Tiroler und Graubündner Kinder als
Arbeitskräfte in Oberschwaben, Ravensburg 1998.
- Otto Uhlig, Die Schwabenkinder aus Tirol und
Vorarlberg, Innsbruck 2003
- Elmar Bereuter, Die Schwabenkinder. Die Geschichte
des Kaspanaze, München 2004.
-
Othmar Franz Lang,
Hungerweg, Berlin/München 1993.
Als Schwabenkinder oder Hütekinder werden die Kinder armer
Bergbauernfamilien aus den Alpen bezeichnet, die
seit dem 17. Jahrhundert bis zu Beginn des 20.
Jahrhunderts alljährlich nach Oberschwaben zogen, um
auf den so genannten „Hütekindermärkten“ als
Saisonarbeiter an oberschwäbische Bauern vermittelt
zu werden.
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Schwabenkind auf dem Heimweg,
Foto aus Otto Uhlig

Einschiffung der Schwabenkinder
in Bregenz, "Gartenlaube" 1895

Hütekindermarkt in Ravensburg
"Gartenlaube", 1895
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