Zwischen zwei Welten - Gastarbeiter auf dem Land

Die jüngste Sonderausstellung  im Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben Wolfegg

Geschichtlicher Hintergrund 
Die Wirtschaft der jungen Bundesrepublik Deutschland boomte. Um den riesigen Bedarf an Arbeitskräften zu decken, wurden Anwerbeabkommen mit insgesamt neun Ländern geschlossen. Von den etwa 14 Millionen Menschen, die zwischen 1955 und 1973 aus den Mittelmeerländern nach Westdeutschland kamen, sind über zwei Millionen letztlich geblieben, obwohl man anfangs annahm, sie kämen nur als Arbeitskräfte auf Zeit. Heute sind die früheren Gastarbeiter, ihre Kinder und Enkel ein nicht wegzudenkender Teil unserer Gesellschaft.

Über die Ausstellung
Die Ausstellung spürt den Erfahrungen der Gastarbeiter auf dem Land nach. Diese sind bisher weitgehend unbeachtet geblieben. Doch anatolische (und sizilianische und andalusische) Schwaben leben auch im Oberland und auch jenseits der großen Städte. An Beispielen werden die Geschichten von Menschen erzählt, die damals von weither in oberschwäbische und Allgäuer Dörfer kamen. Warum hatten sie sich auf den Weg gemacht? Auf welchen Wegen kamen sie? Welche Hürden hatten sie zu überwinden? Wie sah ihr Alltag aus? Was war für sie fremd? Wie war das Verhältnis zwischen Ausländern und Einheimischen?

Die Ausstellung informiert zunächst ganz allgemein über das Phänomen der "Gastarbeiter" zwischen 1955 und 1973 in der Bundesrepublik. Sie geht den Ursachen nach, die deutsche Unternehmen veranlassten, Arbeitsmigranten aus dem Ausland anzuwerben (und von der Politik die Schaffung des rechtlichen Rahmens zu verlangen), aber auch den Gründen, die Arbeitskräfte aus dem Ausland zum Aufbruch nach Deutschland motivierten. Die Ausstellung präsentiert dabei Zahlen und Fakten, bietet aber auch spannende Einblicke in Herkunftsregionen, Sprachen und Kulturen der Migranten.

Wie in allen Ausstellungen des Museums wird diese "große" Geschichte im regionalen Rahmen anschaulich gemacht, nämlich auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Ravensburg, also der damaligen Kreise Ravensburg und Wangen. Die Besucher können sich informieren über die wechselnden Zahlen ausländischer Arbeitskräfte in den einzelnen Gemeinden und besonders über damals noch kleine und bäuerlich geprägte Ortschaften, die sich durch aufstrebende Unternehmen mit großem Arbeitskräftebe darf schnell veränderten.

Das Herzstück der Ausstellung sind vier Fallbeispiele, die auf Berichten und persönlichen Erinnerungsstücken von Zeitzeugen beruhen. Es sind die Geschichten von drei Frauen und zwei Männern aus Italien, der Türkei und Griechenland, die in den damals noch sehr ländlichen Gemeinden Aichstetten, Bergatreute, Großholzleute und Vogt ihre Arbeit, ihr Auskommen und später mit der Zeit eine neue Heimat fanden.

Die Ausstellung ist Teil eines Ausstellungsverbunds der Arbeitsgemeinschaft der sieben Freilichtmuseen in Baden-Württemberg unter dem gemeinsamen Titel "Anders. Anders? Ausgrenzung und Integration auf dem Land". In diesem Zusammenhang wird sie von der Baden-Württemberg Stiftung und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert.

Weiterführendes EU-Projekt
Inhalt und Präsentation der Ausstellung, aber auch die Recherchen im Hintergrund bilden zugleich den Einstieg in das bis zum Jahr 2020 entstehende, von der Europäischen Union im Interreg-V-Programm geförderte Vorhaben "Migration nach Oberschwaben und Vorarlberg im 20. und 21. Jahrhundert". Das Bauernhaus-Museum wird darin neue Wege der Bürgerbeteiligung und der Recherche gehen, um die Arbeitsmigranten und Einheimischen von damals und deren Kinder und Enkel auf eine Entdeckungsreise in die eigene Geschichte und in die der jeweils anderen einzuladen.

 

Angebote für Jugendliche ab Klasse 7:
Führung durch die Sonderausstellung

Angebote für Erwachsene:
Führung durch die Sonderausstellung

Tipp für Einzelbesucher: An einigen Sonn- und Feiertagen bieten wir kostenlose, öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung an (ohne Voranmeldung.)